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Ist der Traum von Tamil Eelam bald am Ende?

Sri Lanka Info Blog / Kommentar

In Sri Lanka ist die Armee in den letzten Monaten bei ihrer Offensive gegen den von der LTTE gehaltenen Norden entscheidend vorangekommen. Inzwischen stehen die Truppen bereits 30 Kilometer nördlich von Vavuniya in der Region Mallavi / Tunnukai. Damit gefährdet sie zunehmend die Versorgung der tamilischen Verteidigungspositionen. Der Mannar Distrikt könnte bald vollständig in die Hände der singhalesischen Regierung fallen. Zwar waren die bisher eroberten Gebiete im Norden leichter einzunehmen, als die folgenden Regionen, da es sich um Marschland und nicht um Dschungel handelt. Dennoch stellt sich die Frage, weshalb der LTTE seit Monaten keine Gegenoffensive mehr gelingt. Zehntausende Tamilen sind bereits auf der Flucht. Es ist schwer zu beurteilen, ob die Rebellen tatsächlich geschwächt sind, oder ob es sich hier um ein taktisches „laissez faire“ handelt.
Es wäre verfrüht, von einem baldigen Sieg der Armee zu sprechen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass viele Erfolgsmeldungen sich bald als Pyrrhus-Siege herausstellen können. Auch die ständigen Amnestien für desertierte Soldaten zeigen, dass die Armee bei weitem nicht so gut aufgestellt ist, wie sie sich darstellt. Dennoch sind die Gebietsgewinne nicht kleinzureden. Von einer Unbesiegbarkeit der Tamil Tigers zu sprechen, wird nun ebenso unglaubwürdig. Es stellt sich die Frage, was ein weiteres Vorrücken für die tamilische Bevölkerung bedeuten würde. Massaker wie der Schwarze Juli 1983 jähren sich gerade zum 25. Mal und bleiben als Drohgebärde am Horizont stehen. Damals waren es zwar singhalesische Mobs, die mit Unterstützung der Sicherheitskräfte auf Tamilen-Jagd gingen und bis zu 3.000 Personen das Leben kosteten. Die Armee ist aber nicht weniger berüchtigt für Massaker an der tamilischen Zivilbevölkerung, wenn ihr dazu die Gelegenheit gegeben wird. Man muss die Tamil Tigers nicht lieben, um zu wissen, dass sie in bestimmten Situationen auch einen Schutz der tamilischen Bevölkerung gegenüber dem Militär darstellen.

Film: My Daughter the Terrorist 2007 R: Arnestad

US-Filmfestival zeigt Dokumentarfilm über Black Tigers

„My Daughter the Terrorist“, ein Dokumentarfilm der norwegischen Filmemacherin Beate Arnestad über das Leben und den Glauben zweier weiblicher Black Tigers, wurde erstmals am 4. April 2008 auf dem US-amerikanischen Dokumentarfilm- Festival in Durham ( North Carolina) gezeigt.

U.S. film festival presents documentary on Black Tigers: „My Daughter the Terrorist“, a documentary by Norwegian filmmaker Beate Arnestad on the life and faith of two female Black Tigers, was the first time shown on April 4 on the documentary film festival in Durham in North Carolina the U.S.

My Daughter the Terrorist / Teil 1

My Daughter the Terrorist / Teil 2

My Daughter the Terrorist / Teil 3

Vortrag von Brian Senewiratne über den Konflikt auf Sri Lanka

Teil1:
Brian Senewiratne, ein australischer Arzt singhalesischer Herkunft, über den wir bereits im Blog berichtet hatten, führt in dieser Präsentation vom Mai 2007 (Ort unbekannt, evtl. nur für YouTube?) zunächst einige Merkmale des srilankischen Staates auf, die es seiner Ansicht nach erlauben, ihn als „faschistisch“ zu kennzeichnen. Weiter erläutert er die geographischen und klimatischen Gegebenheiten der Insel und spricht über die Mahavamsa, einen buddhistischen Schlüsseltext, mit dem der singhalesische Chauvinismus seinen Vorherrschaftsanspruch begründet. Weiter erläutert Senewiratne die Ikonographie der srilankischen Nationalflagge…

Teil2:
… und die absurde, aber von singhalesischer Seite mit Bedeutung versehene Frage, wer denn zuerst aus Indien auf der Insel Lanka ankam, Tamilen oder Singhalesen. Er erwähnt die drei Königreiche Jaffna, Kandy und Kotte, die Geschichte der Kolonialisierung und ihre Folgen für die Machtverteilung auf der Insel. Weiter geht es um die aus Indien auf die srilankischen Teeplantagen gebrachten Arbeiter und die ethnisch-religiös-sprachliche Zusammensetzung der Bevölkerung. Anschließend spricht Senewiratne über die beginnende Diskriminierung der Tamilen nach der Unabhängigkeit 1948…

Teil3:
…hier scheint etwas zu fehlen, jedenfalls beginnt das nächste Video mit der aktuellen Regierung von Rajapakse. Er spricht dann über das Sencholai-Massaker am 14. August 2006, bei dem die Armee über 50 Schulkinder tötete. Es folgt ein schreckliches Foto von den Opfern eines weiteren Massakers an Tamilen in Alaipiddy. Es folgen weitere Fotos von Zerstörungen im Norden und Osten. Zum Schluss spricht er das Fischerei-Verbot in Jaffna an, unter dem die Bevölkerung leidet.
Da es hier vor allem Fotos zu sehen gibt, die einem den Eindruck vermitteln, manipuliert zu werden, was für eine überzeugende These überhaupt nicht nötig wäre, verlinken wir diesen Teil des Vortrages nicht. Wer ihn unbedingt sehen muss, kann ihn bei YouTube finden.

Teil4:
Nun geht es um die Kindersoldaten, auch Senewiratne weiß, dass die LTTE Kinder rekrutiert. Er weist aber auch darauf hin, dass die Regierung ebenfalls Kindersoldaten rekrutiert. Es geht dann um die Flüchtlinge, die Morde an humanitären Helfern und die High Security Zonen, Blockade der A9 Road nach Jaffna, den Gebrauch von Hunger als Waffe, Entführungen und Morde an Tamilen, Parlamentariern, Journalisten.

Teil5:
Hier erklärt Senewiratne, weshalb man den Krieg gegen die Tamilen als „Genozid“ bezeichnen kann. Zum Schluss präsentiert er drei Lösungsvorschläge: Rücknahme der Konzentration der Macht in singhalesischen Händen, Rücknahme des Konzepts einer singhalesisch-buddhistischen nation, Ende der brutalen Militäroperationen, die einem separaten Tamilen-Staat immer mehr Unterstützer zutreiben. Für eine föderale Lösung sei es zu spät, dafür bräuchte es nämlich Vertrauen in das Zentrum der Macht in Colombo. Inzwischen sei nur noch eine Zwei-Staaten-Lösung denkbar, mit vielleicht späterem Zusammenschluss in einer Konföderation. International müsse begriffen werden, dass Menschenrechtsverletzungen nicht mehr nur „interne Angelegnehieten“ eines Staates sind. Außerdem sei die Flüchtlingsproblematik von internationaler Bedeutung.

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Kommentar:
Insgesamt eine etwas schwache Präsentation, interessant ist vor allem der letzte Teil. Viel viel besser und eindrücklicher ist das Video von einem Vortrag, den er in Kanada vor Studenten gehalten hat (wohl in Toronto, wann ist unklar), es dauert allerdings auch fast zwei Stunden:

Seneviratne: Tamil Eelam is creation of singhalese extremists

Im folgenden ein beeindruckendes Video, leider wurde nicht angegeben, wo und wann es aufgenommen wurde. Der Redner, Brian Seneviratne arbeitet als Arzt im australischen Brisbane (Queen Mary Hospital) und gehört zu den wenigen Singhalesen, die den Mut aufbringen, sich – trotz Drohungen, Telefonterror und gewalttätigen Angriffen – für die Rechte der Tamilen einzusetzen. Dabei kritisiert er aber ebenso den Terror paramilitärischer tamilischer Formationen. Dies zeigt sich beispielsweise in einer Besprechung des Buches „The Broken Palmyra“:

Seneviratne schreibt:

„The Broken Palmyra“ is a very disturbing account of what has gone on, indeed what is still going on, in the North of Sri Lanka. It documents in painful detail what the Sri Lankan government and the Indian „Peace-Keepers“ have been doing and, more informatively, what our „heroes“ in the various militant movements (and even the non-militant politicians) are really like. Not what they pretend to be, but what they really are. Not what our biases, hopes and imagination make them to be, but what they are. No person or group is spared, and no information suppressed for fear of offending a particular interest. The militant groups, the Indian army and the Sri Lankan army, have a charge to answer to. It is the assassination of one of the authors. We may not know who killed Dr. Rajani Thiranagama, but we must certainly know why she was killed. She was killed because of her human rights work and her contribution to „The Broken Palmyra“. It was a warning to the others that the totalitarian regime that has established itself in Jaffna, whatever its changing label may be, is not to be challenged, questioned or exposed. Rajani’s murderers were trying to destroy a lot more than an outstanding daughter of Jaffna who has done so much for her people. For this reason alone, as someone concerned with the plight of the Tamil people, I am delighted to see the publication of this book.

A „liberation struggle“ is to do with people, with freeing them from oppression, and with decreasing the violation of internationally accepted human rights. If the converse is being established in the name of liberation, then concerned people must question what is going on. „The Broken Palmyra“ documents what we have all known, but not had the courage to say – that the civilian population has been cannon fodder in a despicable power struggle. Across the country, the Rule of Law has been replaced by the Rule of the Armed Hoodlum. If Sri Lanka is to return to civilisation, what is going on in the country will have to be exposed. With internationally credible human rights groups such as Amnesty International expelled from the country and the media gagged or intimidated by the State and by armed groups, it takes outstandingly courageous people to publish what really is going on. As a Sinhalese, my only regret is that we in the South have not been able to come up with a group who are prepared to write a similar account of what is going on in the rest of the country.

The first question that must pass through the minds of anyone who reads this incredible book is, „How reliable is it? How accurate is the information?“ Those of us who have had the privilege of knowing the authors would have no difficulty in answering this question. The authors, senior members of the academic staff of Jaffna University, are people of indisputable honesty and integrity who have made unbelievable efforts to check their facts. The methods they have used to collect the data underscore their determination to sort out fact from fiction and present the situation as it is, not what people imagine it to be. „…..members of the U.T.H.R. worked both as a team and some times as individuals to visit places where incidents occurred, interview eye witnesses and to check what actually happened.“ They have presented their findings in a frank and a fearless manner with no bias towards one or other of the pressure groups. If the incidents reported in „The Broken Palmyra“ conflict with the versions put out by the militant groups or the State (whether Sri Lankan or Indian), I would personally have no difficulty in choosing which version to believe. Such is the integrity and credibility of the authors.

No worthwhile contribution to solving the mess in Sri Lanka can be made by those such as the writer of this Foreword and the thousands of other Sri Lankans who have not had the courage to stay in Sri Lanka. It can only be made by those such as the authors of „The Broken Palmyra“ who have the courage, determination and patriotism to stay where they are needed and say what is right rather than what is convenient or acceptable to some power base. That is what integrity and true leadership is all about. The „Broken Palmyra“ is compulsory reading for anyone who is interested in the future of Sri Lanka. I have no doubt that the authors will be condemned by Tamil fanatics as „traitors to the Tamil cause“ for exposing what is going on in Jaffna in the name of „liberation“, „peace-keeping“ or „national security.“ It is hoped that when sanity returns, the authors of this exceptional book will be recognised as true patriots (of the non-pseudo variety) and their work an outstanding contribution aimed at preventing the establishment of anarchy in Sri Lanka.

Quelle: University Teachers for Human Rights, Jaffna