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Happy Deepavali – Festival of Lights 2008

Das Deepavali (Diwali)-Lichterfest ist im Hinduismus ein bedeutsames Fest, das über mehrere Tage geht. Es wird von allen Hindus weltweit gefeiert. In den Fenstern der Häuser werden abends Lichter und Kerzen aufgestellt. Da auch die Straßen geschmückt werden, erinnert es manch westlichen Beobachter etwas an Weihnachten. Deepavali bedeutet Weg des Lichts, gefeiert wird die Erneuerung des Lebens. Das Licht symbolisiert den Triumph des Guten über das Böse in jedem Menschen. So werden alte Lampen durch neue ersetzt, die den Toten besser den Weg weisen sollen. Darin ähnelt es dem zeitgleich stattfindenden Halloween.
Mythologisch ist das Fest mit der Rückkehr des Gottes Rama verbunden, der nach langjähriger Verbannung den Dämonen Ravana besiegte, aus dessen Klauen er mit Hilfe des Affengottes Hanuman seine Gemahlin Sita befreite, die der Dämon nach (Sri) Lanka verschleppt hatte. All dies ist im Ramayana, dem ersten und größten indischen Märchenepos aus dem 2. Jahrhundert vor Christus beschrieben.
Das zum Deepavali-Lichterfest entzündete Feuer soll Rama preisen, Öllampen weisen ihm den Weg. So erklärt sich auch die Bedeutung des Wortes: Es werden Lichter (deepa) – Ketten (avali) aufgestellt.
In anderen Versionen der Mythologie ist es Krishna, der einen Dämonen besiegt haben soll. Auch Lakshmi, die Göttin des Wohlstandes, spielt an Deepavali eine Rolle: Sie besucht diejenigen Häuser, die besonders gut beleuchtet sind und sorgt für bessere Einnahmen der Geschäftsleute im nächsten Jahr. Gläubige Hindus kaufen sich zu Deepavali neue Kleider, reinigen das Haus, gehen in den Tempel und laden Freunde und Familie zum Essen ein.

Film: Dokumentation Geschichte des Hinduismus

Teil1

Teil2

Teil3

Teil4

Teil5

Tamilen in Lourdes

Lourdes ist eine christiliche Pilgerstätte, ein Wallfahrtsort im südlichen Frankreich, nahe Toulouse gelegen. Bekannt ist Lourdes für Marienerscheinungen und angebliche Wunderheilungen. Lourdes ist eigentlich ein urkatholischer Ort. Dennoch zieht er nicht nur Christen verschiedenster Couleur an: Paradoxerweise pilgern viele Tamilen jedes Jahr nach Lourdes. Das wäre an sich noch nichts besonderes, schließlich gibt es auch unter Tamilen Anhänger des katholischen Glaubens. Paradoxerweise sind es aber vor allem tamilische Hindus, die nach Lourdes zum Beten kommen. Auch Moslems, vor allem Frauen, kommen nach Lourdes, denn Maria wird auch im Koran verehrt.
Für viele Tamilen ist Lourdes ein heiliger Ort, an dem sie beten können. Sie stört es nicht, dass in der Messe von der unbefleckten Empfängnis und dem Büßen für die Sünden gesprochen wird. Jede Religion hat ihre eigenen Erscheinungsformen, die dahinter stehende Göttlichkeit ist aber dieselbe. So könnte man vielleicht diese hinduistischen Pilgerreisen zu katholischen Orten erklären. Dabei ist es unvorstellbar, das Katholiken in einen Hindu-Tempel zum Beten kommen, Juden in einer Moschee beten, Moslems in einen buddhistischen Tempel gehen. Vielleicht zeigt sich hier auch, dass der Hinduismus ungebundener ist, da weniger institutionalisiert. Die katholische Kirche geht auf die tamilischen Besucher ein und veranstaltet Messen in tamilischer Sprache. Vom 9.-10. August 2008 gibt es eine Pilgerreise von Tamilen nach Lourdes.

Links
Arme Kinder, weiße Damen,
EBERHARD OSTERMANN in: DIE ZEIT vom 31. Januar 2008

Marias Helfer
JOHANNES SCHWEIKLE in: DIE ZEIT vom 07. Februar 2008

Das Hochzeitsritual bei Hindu-Tamilen aus Sri Lanka

Wir setzen unsere Serie zur hinduistischen Kultur mit einem Beitrag zur Hindu-Hochzeit fort:

Astrologie und Androgynie
Die Hochzeit ist im hinduistischen Weltbild die dreizehnte von sechzehn Zeremonien in dem Leben eines Menschen und symbolisiert die physische und vor allem spirituelle Verbindung von Mann und Frau. Maathorupahan oder Arthanareeswarar, die halb männliche, halb weibliche Erscheinung von Shiva und Shakti steht in der hinduistischen Kosmogonie für das Ideal der Verbindung von Männlichkeit und Weiblichkeit.


Bild: Ardhanar ist ein androgyner Gott aus Shiva und Shakti

Veden und Brahmanen
Die religiöse Hochzeitsfeier ist ein Sakrament in Übereinstimmung mit den Veden, den heiligen Schriften des Hinduismus. Es gibt keinen Vertrag, es ist das Feuer, das die Zeremonie bezeugt.

Die Veden sind eine Sammlung von Hymnen aus dem nördlichen Indien um 1.500 vor Christus. Sie sind der älteste überlieferte Teil südasiatischer Kultur, erschaffen von der Kultur der Arier (den „adligen“ oder „reinen“) in Nordwestindien. Die Veden sind in der alten Sanskrit-Sprache abgefasst und die Brahmanen-Priester singen aus ihnen während der Hochzeitsfeier.

Die Brahmanenfamilien haben die orale Rezitation dieser Hymnen über Tausende von Jahren weitergegeben. Der hohe Status der Brahmanen wird durch ihre Verbindung mit den Veden begründet. Die größte Mehrheit der Hindus weiß fast überhaupt nichts von Sanskrit und den Veden.

Auch im späten 20. Jahrhundert sind es noch immer Brahmanen, die Hochzeiten und offizielle religiöse Zeremonien betreuen. Allerdings sind die Hochzeitsriten weit davon entfernt, homogen zu sein. In den USA haben Hindu-Priester deshalb entschieden, die hinduistischen Hochzeitszeremonien zu standardisieren, um Konflikte zwischen Braut und Bräutigam zu vermeiden, wenn ihre Familien aus verschiedenen indischen Regionen stammen.

Im folgenden wird die traditionelle Hochzeitszeremonie dargestellt, wie sie unter Hindu-Tamilen aus Sri Lanka üblich ist. Aber auch hier handelt es sich nur um ein grobes Muster, von dem die einzelnen Hochzeitszeremonien in Detail und Länge abweichen können. Moderne Hindu-Hochzeiten enthalten nicht alle der unten aufgeführten Elemente und sind meist viel kürzer. Das hängt von den heiratenden Paaren und ihren individuellen Wünschen, Lebensumständen sowie der Kastenzugehörigkeit und den finanziellen Möglichkeiten ab.

Der mögliche Ablauf einer hinduistischen Hochzeit:

Vorbereitungen
1. Astrologische Datumsfindung

Als erstes errechnet ein Astrologe aus den Geburtsdaten des Paares das genaue Datum der Hochzeit. Die Hochzeit muss genau diesem Tag stattfinden. Vorher gibt es noch verschiedene andere Zeremonien:

2. Die Verlobung (Nitchaya Thampoolam)
Alles beginnt mit der auch im Westen üblichen Verlobung, die Nitchaya thampoolam heißt. Bei einer Zeremonie im Haus der Braut werden Betel-Blätter (Thampoolam oder Vetrilai) und Betel-Nuss (Paakku) und goldene Ringe ausgetauscht. Außerdem nehmen die Verlobten und ihre Familien zusammen ein festliches Essen ein.


Bild: Betelblätter und zerschlagene Nuss.

3. Die Goldschmelz-Zeremonie (Ponn Urukku)
Einige Wochen vor der Heirat wird in Gegenwart der Eltern und Großeltern die Goldschmelz-Zeremonie (Ponn Urukku) durchgeführt. Der Bräutigam gibt der Familie der Braut eine Goldkette zur rituellen Einschmelzung durch einen Goldschmied, der daraus das Thaali, die enorm bedeutsame Halskette der Braut formt.

Die Hochzeit

1. Der Hochzeitstag beginnt mit dem Abholen des Bräutigams (Maapillai Alaippu)
Der große Tag beginnt für Braut und Bräutigam mit dem Fasten. Am Hochzeitstag kommt der Bruder der Braut (oder einer ihrer Cousins), der Tholan genannt wird – mit einigen verheirateten Paaren der Verwandtschaft zum Haus des Bräutigams. Er setzt ihm den Turban (thalaipa) auf und begleitet ihn zum Hochzeitsaal (Mandap heißt der Hochzeitsaltar). Der Bräutigam trägt einen elfenbeinfarbenen oder beigen Sharwani, ein traditionelles Gewand.

2. Der Bräutigam wird willkommen geheißen (Maapillai Varavetpu oder Parchan)
Die Hochzeit beginnt mit der Ankunft des Bräutigams im Hochzeitssaal. Die Braut ist noch unsichtbar. Die verheiratete Schwester des Bräutigams (oder eine seiner Cousinen) – die Tholi – bringt den Saree der Braut (den Koorai) und die goldene Halskette (das Thaali). Der Hochzeits-Saree Koorai ist immer rot – das bedeutet Fruchtbarkeit – und wird traditionell von der Familie des Bräutigams gekauft.
Am Eingang des Saals – der das Haus der Braut symbolisiert – heißen ihre Eltern den Bräutigam mit einer Blumengirlande willkommen. Der Tholan begießt den rechten Fuß des Bräutigams mit Wasser aus einem Bronzekessel (Chempu). Dies ist eine Geste für einen besonderen Ehrengast. Manchmal wird er auch mit Milch und Honig gewaschen. Der Bräutigam bedankt sich dafür mit einem Goldring.
Zwei Frauen, die für den Bräutigam und die Braut stehen, führen mit Bananen-Docht-Lampen auf einem Tablett das Gebet Aalathi durch, um das böse Auge fernzuhalten.
Der Tholan und die Eltern der Braut führen den Bräutigam dann zum Manavarai, einem blumengeschmückten Hochzeitsaltar, wo der Priester schon wartet, um die Zeremonie durchzuführen. Sie werden dabei mit Musik der Instrumente Nathswaram (Flöte) und Thavil/Melam (Trommeln) begleitet.


Bild: Hier sind bei einer anderen Gelegenheit beide Instrumente in Gebrauch.

3. Die Hochzeit beginnt mit der Ganesh Puja – es wird um göttliche Segnung und Schutz gebeten
Der Priester spritzt heiliges Wasser auf den Boden und weiht somit den Raum. Dann betet er den Pillaiar Poosai (das heißt Puja, also Gottesdienst), ein Gebet an den Elefantengott Ganesh und bittet um eine gut verlaufende Feier.


Bild: Hier eine Puja zu Ehren des Gottes Ganesh, allerdings nicht während einer Hochzeit.

Der Priester gibt dem Bräutigam zu Ehren von Ganesh dann ein Pavithram, einen Ring aus dem getrockneten Gras Thetpai. Außerdem wird ein Kaapu aus Safran/Manjel um sein Handgelenk gewickelt. Manjel ist eine Pflanze, die getrocknet wird und eine gelbe Farbe ergibt.


Bild: Hier bereitet der Priester das Pavithram-Band vor.

4. Paalikai-Zeremonie für Fruchtbarkeit
Drei bis fünf verheiratete Frauen (die Kinder haben) von beiden Familien werden aufgerufen, die Paalikai-Zeremonie durchzuführen. Sie stecken Navathaniam (neun Getreidesorten) in einen Tontopf, um für Fruchtbarkeit zu bitten.


Bild: Eine Frau steckt Getreidesorten in kleine Tontöpfe, das Paalikai-Fruchtbarkeitsritual.

5. Die Braut kommt herein und bekommt auch einen Pavithram-Ring
Nun betritt die Braut den Raum, geschmückt mit Seide und Blumen im Haar und begleitet von den Tholi-Blumenmädchen, wie gesagt normalerweise Schwestern des Bräutigams. Sie wird von ihrem Onkel mütterlicherseits begleitet, der eine Kokosnuss zerschlägt, wenn der Priester ihn dazu auffordert.
Bisher saß der Tholan auf dem Platz der Frau neben dem Bräutigam, nun steht er auf und macht Platz für die Braut, die sich RECHTS neben den Bräutigam setzt.
Der Priester wiederholt das Pavithram und das Kaapu-Ritual für die Braut, sie bekommt auch einen Ring.

6. Grah Shanti – Gottesdienst für die 9 Planeten
Nun wird die Shiva Paarvathi-Zeremonie durchgeführt, die an die Heirat der Götter Shiva und Paarvathi erinnert. Es folgt ein Gebet an die neun Planeten unseres Sonnensystems – die Navakiraka (=9 Planeten) Poosai (=Puja, also Gottesdienst). Diese Planeten (Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn und die beiden Schattenplaneten Rahu und Ketu) sollen einen Einfluss auf jedes Individuum haben. Die mit diesen Planeten verbundenen Götter werden gebeten, Frieden, innere Stärke und Mut zu spenden. Jedes Jahr befindet man sich in einem anderen Planeten, in einem Jahr kann es also auch einer sein, der Unglück bringt.


Bild: Die neun Planeten

7. Das Geben der Braut (Kannika Thanam oder Kanya Daan)
Bei dem Kannika Thanam-Ritual legt der Vater der Braut ihre Hand in die des Bräutigams. Dabei werden heilige Verse aus den Veden rezitiert und Betel und Kokosnüsse spielen eine Rolle. Damit wird die Braut zu einem Mitglied der Familie des Bräutigams, was bedeutet, dass der Bräutigam sich nun um die Braut kümmern und sie sein ganzes Leben lang beschützen muss.
Die Mutter der Braut signalisiert ihr Einverständnis, indem sie Wasser in die Hände ihres Ehemannes spritzt, der dem Bräutigam eine Goldmünze übergibt, die symbolisch für die Braut steht. Der Bräutigam nimmt die Münze an und übergibt sie seinen Eltern. Das symbolisiert die Annahme der Braut durch die neue Familie.
Dann ruft der Priester die Eltern der Braut und den Bräutigam auf, zum Manavarai-Altar zu kommen. Es können auch Tanten und Onkel einspringen, wenn ein Elternteil tot ist. Der Priester nennt nun die Namen von drei Generationen männlicher Vorfahren beider Parteien, lebende und tote, und lädt sie ein, als Zeugen der Hochzeit beizuwohnen und das Paar zu segnen.


Bild: Das Geben der Braut

8. Das heilige Feuer wird angezündet
In der Omum-Zeremonie wird nun das heilige Feuer angezündet und dafür gebetet, dasss die Göttin Agni der Heirat beiwohnt. Agni, die Göttin des Feuers, ist zentral für jede Hindu-Hochzeit: Das Feuer steht für eine göttliche Zeugenschaft der Hochzeit (Agni Chatchi =Zeugin).

9. Die Braut zieht sich nach dem Überreichen des Sarees um, Blumengirlanden
Nun überreicht der Bräutigam der Braut den Saree (Koorai) und die goldene Kette (das Thaali) und heißt sie in ihrer neuen Familie willkommen. Bevor er die neue Familie der Braut vorstellt, werden sie vom Priester gesegnet und von den Älteren begrüßt.
Die Braut verlässt nun den Manavarai-Altar und zieht sich ins Brautzimmer zurück, wo sie sich umzieht und den Koorai-Saree anzieht. Sie kehrt dann in ihrem goldglänzenden roten Koorai zum Manavarai-Altar zurück, und legt dem Bräutigam Blumengirlanden um, die ihr Einverständnis symbolisieren.


Bild: Der Bräutigam übergibt den Koorai-Saree.

10. Der Hochzeitsknoten (Thaali Kattu oder Ganthibandhan)
Krönender Höhepunkt jeder Hochzeit ist die Thaali-Zeremonie. Das Thaali (Kette) ist ein goldener ornamentierter Talisman mit heiligen Zeichen, der an Kodi, einer goldenen Kette befestigt ist. Die Frau trägt ihn in der Nähe ihres Herzens, solange ihr Ehemann lebt.


Bild: Ein typisches Thaali aus Jaffna im nördlichen Sri Lanka, mit zwei Goldmünzen an den Seiten.

Zu Beginn der Thaali-Zeremonie ruft der Priester zum Kettimelam auf: Es wird das Instrument Thavil gespielt, begleitet von dem Instrument Nathaswaram, um Abasakunam, also Tratsch und schlechte Omen zu vertreiben. Die Zeit für das Umlegen des Thaali ist astrologisch genau festgelegt, deshalb hat die Braut auf dem Foto den Saree noch auf den Knien, da sie keine Zeit hatte, ihn anzuziehen:


Bild: Der Bräutigam legt der Braut das Thaali um.

Der Bräutigam steht auf und legt das Thaali um den Hals der Braut. Oft ist die „Kette“ aus einem einfachen Faden, der hinten verknotet wird, weil das Geld für eine Goldkette fehlt. Der Bräutigam bindet dann mehrere Knoten im Nacken der Braut. Der erste Knoten steht für den Ehemann, der zweite für ihre Familie, der dritte für die neue Familie, in die sie einheiratet. Mit den Knoten trägt sie symbolisch eine Pflicht mit sich, sie neigt sozusagen den Kopf unter dem Gewicht des Thaalis, um niemand anderen anzusehen.

11. Der rote Punkt
Dann setzt er ihr mit einem Finger ein Kunkum-Pottu, einen roten Punkt (Bindi aus Zinnober bzw. Vermilion-Puder) auf ihre Stirn – ein Symbol für eine verheiratete Hindu-Frau.
Heute ist das Bindi ein Mode-Accessoire geworden, das von allen Frauen wie ein Schmuck getragen werden kann und hat seine ursprüngliche Bedeutung verloren.


Bild: Die Braut bekommt einen roten Punkt.

12. Eine Kokosnuss wird zerschlagen
Gleichzeitig geht ein Schauer von Blüten auf die beiden nieder, um sie zu segnen. Der Priester hält eine Öllampe empor, die das göttliche Licht symbolisiert, das Zeuge der Hochzeit ist. Wer gegenüber dem Feuer nicht ehrlich ist, wird sich an ihm verbrennen! Nun wird eine Kokosnuss von einem nahen Angehörigen der Familie in zwei Hälften geschlagen – sie symbolisiert ein blutloses Opfer. Das süße Wasser der Kokosnuss symbolisiert Liebe, der weiße Kern Reinheit und die gebrochene Schale steht für Selbstlosigkeit und abgelegten Egoismus.

13. Austausch von Blumengirlanden
Das Paar tauscht nun Blumengirlanden aus und der Bräutigam steht auf, und nimmt die Braut an seiner LINKEN Seite auf: Mit dem Knoten des Thaali ist sie seine Frau geworden und muss sich deshalb nun auf die andere Seite setzen. Shaktis Platz neben Shiva ist auf der linken Seite und außerdem wird die Frau im Arthanareewara vadivam (form) als linke Hälfte angesehen.


Bild: Das Paar legt sich gegenseitig Blumengirlanden um.

14. Gegenseitiges Füttern
Nun füttert sich das Paar gegenseitig mit einem Gemisch aus Bananen, Milch und Honig, die das Versprechen endloser Liebe symbolisieren, die sie miteinander teilen wollen (Chathurthi Karma). Ab diesem Punkt ist die Braut eine Sahatharmini, ein gleicher Partner beim Erreichen sozialer Pflichten und dem Erreichen der spirituellen Ziele des Paares.


Bild: Ein verheiratetes Paar, die Braut sitzt im roten Hochzeitssaree rechts neben ihrem Mann, die Girlanden sind ausgetauscht, und sie scheinen zu essen.

15. Padaksinam (um das Feuer gehen)
Das heilige Feuer Agni Chaatchi, und der Tholan und die Tholi begleiten Braut und Bräutigam nun auf ihren ersten gemeinsamen Schritten als Mann und Frau:
Sie müssen drei Mal im Uhrzeigersinn um das heilige Feuer gehen, um Agni, der Repräsentatin der Götter, ihre Ehrerbietung zu zeigen. Währenddessen werden bestimmte Rituale durchgeführt. (In anderen Quellen wird angegeben, dass sie sogar vier Mal um das Feuer gehen: 1. Dharma – Rechtschaffenheit, 2. Artha – finanzielle Sorgenlosigkeit, 3. Karma – Energie und Leidenschaft fürs Leben, 4. Moksha -Befreiung von allem im Leben).

15 a) Erste Runde: Sieben Schritte, Braut bekommt einen Ring an den rechten Fuss
Am Ende der ersten Runde um das Feuer – nach sieben nach Norden gewandten Schritten (Saptapadi), welche die sieben Schritte in der Evolution von Mann und Frau symbolisieren – nimmt der Bräutigam den RECHTEN Fuss der Braut, stellt ihn auf auf einen Granitstein (Ammi Mithithal) und befestigt einen silbernen Ring (Minji) an ihrem zweiten Zeh.
Das soll bedeuten, dass sie in Zeiten der Not so stark und standfest sein soll, wie der Stein. Was es mit dem Stein auf sich hat, wird etwas weiter unten erklärt. (In anderen Quellen wird erläutert, wer gemeinsam sieben Schritte geht, bleibe lebenslang befreundet. Und Freundschaft ist die Basis einer hinduistischen Hochzeit).

15 b) Zweite Runde: Zweiter Ring links und moralische Belehrung für beide
Nachdem die zweite Runde gegangen ist, bringt der Ehemann einen zweiten Ring am zweiten Zeh ihres LINKEN Fusses an.
In der Arunthathi Paarthai Zeremonie zeigt der Bräutigam der Braut den vorgestellten Stern Arunthathi. Arunthathi war die Frau des Weisen Vashistar und ist unter den Sternen ein nachahmenswertes Vorbild sowohl für Männer als auch für Frauen.


Bild: Das Zeigen des Sterns Arunthathi.

Auch der Bräutigam soll sich daran erinnern, dass er keusch und ehrlich bleiben soll. Dies regt der Priester an, indem er die Aufmerksamkeit des Bräutigams auf den grünen Baum Mulmurukku mit tausenden Dornen lenkt, der in einem Topf gegenüber des Manavarai-Hochzeitsaltares steht. Die Dornen symbolisieren den tausendäugigen Indra, König des Himmels, der durch einen Fluch des weisen Gautama in den Baum verwandelt wurde, nachdem er ein Rendezvous mit der schönen Ahaliha hatte, immerhin der Frau von Gautama. Der Baum ist eine grimmige Erinnerung für den Preis, den Indra für seine Untreue bezahlte.
Auch Ahaliha wurde von ihrem Ehemann mit einem Fluch belegt und in einen Stein verwandelt. Sie gewann ihre menschliche Form erst wieder, als der Gott Rama auf seinem Weg nach Mithila auf den Stein trat. Daher kommt das oben erwähnte Ritual Ammi Mithithal, das das Paar zelebrierte, nachdem beide zum ersten Mal das heilige Feuer umschritten haben. Die Frau setzt wie Rama den Fuss auf den Stein, in den Ahaliha verwandelt wurde. Sie soll sich daran erinnern, was ihr blüht, sollte sie ihrem Mann untreu werden.


Bild: Der tausendäugige Indra

15 c) Dritte Runde: Finde den Ring!
Am Ende der dritten Umrundung des Feuers wird ein lustiger „Finde-den-Ring-Wettbewerb“ (Mothiram Eduthal) durchgeführt. Beide Eheleute versuchen als erste einen Ring aus einem Eimer mit Wasser zu fischen. Wer ihn als erster findet, wird den Haushalt dominieren, wird gesagt. Man macht das drei Mal. Außerdem wird manchmal eine Zitrone mit hinein gelegt. Oder auch nur eine Zitrone, kein Ring, aus Witz. Normalerweise (also eigentlich nie) ist die Berührung der Hände im Wasser der erste intime Kontakt der Brautleute.

15 d) Opfergaben an Agni (Poorana Ahuthi)
Danach führt das Paar den Poorana Ahuthi durch, die Opferung von Getreide, Honig und Früchten (Bananen, da sie meist verfügbar sind) an die Götter in Form ihrer Repräsentantin Agni, in Gegenwart des heiligen Feuers Omum.

16. Segenswünsche (Aseervaatham oder Aashirvaad)
Der Priester segnet nun das Paar und streut Reis über sie – ein Symbol für Glück, Wohlstand und Fruchtbarkeit. Die Eltern des Bräutigams, der Braut, ihre Verwandten und zum Schluss die Gäste machen dasselbe.
Die Zeremonie endet mit einem Alathi – wie am Anfang, mit den Bananen-Docht-Lampen, gegen das böse Auge – währenddessen stehen die Neuverheirateten vor dem Manavarai-Altar.

17. Das Hochzeitsfest (Virunthupasaram)
Danach gibt es ein vegetarisches Essen=Virunthu das die sechs Geschmäcker=Arusuvai beinhalten soll, welche die Menschen klar unterscheiden können. Heute mal kein Alkohol.


Bild: Das Essen danach.

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