Archiv der Kategorie 'Parteien in Sri Lanka'

People’s Liberation Organisation of Tamil Eelam (PLOTE)

In Zürich prügelten sich auf der 1.Mai Demo Anhänger der LTTE mit Angehörigen der People’s Liberation Organisation of Tamil Eelam (PLOTE), Quelle: Asian Tribune, andere Quellen berichten mit Berufung auf NZZ und Blick, es seien Mitglieder der EPDP gewesen.

Bei der PLOTE handelt es sich um eine mit der LTTE rivalisierende Gruppe, die sich Anfang der 80er Jahre durch palästinensische Kontakte und eine marxistische Ausrichtung auszeichnete. Inzwischen arbeitet sie mit der Regierung zusammen und unterhält eigene paramilitärische Formationen.

Aus Zeitmangel hier erstmal nur zwei links:

Die offizielle Website der PLOTE

Wikipedia-Eintrag zur PLOTE

Eelam People’s Democratic Party (EPDP)

Anlässlich der Ermordung des Journalisten Selvarajah Rajivarnam der Zeitung Uthayan in Jaffna, folgt eine Linksammlung zur EPDP. Reporter sans Frontières vermuten, dass Mitglider dieser mit der Armee zusammenarbeitenden Partei den Journalisten ermordet haben.
Es handelt sich bei der EPDP um eine paramilitärische Gruppe, die gegen die LTTE eingestellt ist. Sie ist an der momentanen Regierungskoalition beteiligt.

Website der Eelam People’s Democratic Party (EPDP)

Navy – EPDP kill thirteen civilians in Allaipiddy-Velanai
Artikel vom 16. Mai 2006,
D.B.S. Jeyaraj

Leben von Mitgliedern der SEP in Sri Lanka ernsthaft bedroht,
Schläger der EPDP im Dienste des Regimes in Colombo,
Artikel vom 10. Mai 2000
Vom Korrespondenten

Zitat aus einem Artikel über das „Verschwindenlassen“, von David Jeyaraj:

„In Jaffna elements linked to the Eelam Peoples Democratic Party (EPDP) are allegedly responsible for much of these acts. The EPDP has a public political face on the one hand. These political activists selling the “Thinamurasu” are unarmed and rely on Police and army protection to move about. The LTTE often kills these people ruthlessly. But there is another killer group of EPDP elements closely connected to Sri Lankan intelligence and security forces. It is this outfit which engages in abductions, extortion and killing.
The EPDP along with some sections of the Peoples Liberation Organization of Tamil Eelam (PLOTE) were engaged in these activities in Vavuniya.“

Die anti-tamilischen Parteien JVP, JHU, Patriotic National Movement …

Der ethnoreligiöse buddhistische Chauvinismus und Rassismus auf Sri Lanka gehört zu den wichtigsten Faktoren, die einen Friedensprozess verhindern. Es gibt zahlreiche Parteien in Sri Lanka, die immer wieder durch eine extrem aggressive antitamilische (nicht nur anti-LTTE-) Politik auffallen:
Die wichtigsten sind die marxistische Janatha Vimukti Peramuna (JVP) und die von buddhistischen Mönchen geführte Jathika Hela Urumaya (JHU). Weiter gibt es das als JVP-Ableger geltende Patriotic National Movement (PNM) und die National Bhikku Front (NBF). Die Politik all dieser Parteien wird „kommunalistisch“ genannt. Damit wird die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaften bezeichnet, hier zum Buddhismus. Die JVP ist die drittgrößte politische Partei auf Sri Lanka, sie ist im Parlament mit 39 Parlamentariern vertreten.

1. Nationale Chauvinisten:
Zur marxistischen Janatha Vimukthi Peramuna (JVP)
oder People’s Liberation Front:

Die JVP wurde 1965 gegründet, ihr Ziel war eine sozialistische Revolution in Sri Lanka. Sie vertritt eine seltsame Mischung aus singhalesisch-chauvinistischen und maoistischen Ideen mit aggressiver antiindischer und antitamilischer Stoßrichtung. In ihren Anfängen war sie eine bewaffnete Untergrundbewegung, die vor allem durch militante Rebellionen bekannt wurde: 1971 versuchte sie die Regierung von Sirimavo R. D. Bandaranaike zu stürzen, der Aufstand wurde aber nach zwei Wochen niedergeschlagen. Insgesamt 5000-8000 Anhänger der JVP wurden getötet, bis zu 15.000 inhaftiert. Nachdem Indien 1987 die Indian Peace Keeping Forces (IPKF) in Sri Lanka stationierte, um den Bürgerkrieg zu beenden, organisierte die JVP erneut eine bewaffnete Rebellion. Diesmal wählte die JVP aber nicht den offenen Aufstand, sondern verdeckten Terror: Mitglieder der Regierung, deren Angehörige, kleine Beamte, Dorfvorsteher wurden ermordet. Ab 1989 begann die neue UNP-Regierung Premadasa auf den Terror der JVP mit Gegenterror zu reagieren. Die Todesschwadronen gingen mit äußerster Brutalität vor. Aus dieser Zeit stammen die Geschichten über Verschleppungen in „White Vans“, die jetzt wieder auftauchen. 1989 wurde der JVP-Führer Rohan Wijeweera liquidiert. Dieser innersinghalesische Konflikt von 1987-1989 kostete unter den Regierungstruppen, der JVP und den JVP-Gegnern etwa 40.000 Menschen das Leben.
Heute ist die JVP keine linke Partei mehr, die sich mit soizoökonomischen Ungleichheiten befasst, sondern ist ganz in eine nationalistische Richtung umgeschwenkt. Sie gehört zu den Hardlinern einer extremen Anti-LTTE-Politik: So forderte die JVP Anfang Januar 2007, die LTTE zu verbieten und ihr den Krieg zu erklären. Sie wandte sich auch völlkommen gegen eine Zusammenarbeit mit den Rebellen zur Verteilung der Tsunami-Hilfsgüter.
Dabei bedient sie sich aber einer linken Rhetorik: Am 8. März 2007 beklagte die JVP beispielsweise in einer Presseerklärung den Besuch des US-Deputy Assistant Secretary Steven Mann, der bei seinem Besuch unter anderem Menschenrechtsverletzungen ansprechen wolle. Es sei schon immer ein konspiratives Mittel neokolonialer Kräfte aus dem Westen gewesen, auf die Menschenrechte zu sprechen zu kommen, um Einfluss zu nehmen. An der Argumentation ist sicherlich etwas dran, dennoch kann das nicht verdecken, dass die JVP dies aus nationalistischen Motiven heraus sagt und außerdem die letzte Partei wäre, die etwas gegen Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Tamilen sagen würde.

Bild: Protestkampagen der Janatha Vimukthi Peramuna gegen die Eröffnung des UN Human Right office in Sri Lanka am 22. März 2007:

Bild: Demo zum „Schutz des Mutterlandes“ am 23. Januar 2007:

Hier ein 57 Minuten langes Video vom JVP-Umzug am 1. Mai 2005 in Colombo (not in english):

2. Sri Lankas Taliban:
Zur Mönchspartei Jathika Hela Urumaya (JHU)
oder National Heritage Party:

Die Jathika Hela Urumaya (JHU) wurde im Februar 2004 – kurz vor dem Wahlen – von der rechtsextremen nationalistisch-singhalesischen Partei Sihala Urumaya (SU) und einer assoziierten Gruppierung buddhistischer Mönche, der Jathika Sangha Sammelanaya (JSS) gegründet. Ziel war es, auf die Regierung von Chandrika Kumaratunga Druck von rechts auszuüben. Die Partei besteht nur aus buddhistischen Mönchen und gewann bei der Wahl 6% der Stimmen. Die JHU steht in offizieller Verbindung mit dem National Movement Against Terrorism (NMAT), der australischen Society for Peace, Unity and Human Rights for Sri Lanka Inc (SPUR) und anderen singhalesisch-nationalistischen Gruppierungen.

Buddhistischer Terrorismus
Die JHU ist Teil eines „Buddhist Revival“ in Sri Lanka. Diese Graswurzelbewegung war direkt oder indirekt verantwortlich für Attacken auf nicht-buddhistische religiöse Orte, z.B. einen Granatenangriff auf ein Musical von Shah Rukh Khan am 11. Dezember 2004, bei dem zwei Zuschauer getötet und 19 verletzt wurden. Zwar verurteilte die Jathika Hela Urumaya den Anschlag später, das kann aber nicht davon ablenken, dass sich die Partei an der Spitze des Protests gegen die Veranstaltung befand und ihre Rhetorik mit Bedrohungen gegen die Teilnehmer aufgeladen war.
Zudem ist bemerkenswert, dass der JHU-Vorgänger, die Sihala Urumaya-Partei, vom National Memorial Institute for the Prevention of Terrorism (MIPT) und der Terrorism Knowledge Base (TKB) als terroristische Organisation eingestuft wird. Die SU war unter anderem verantwortlich für hunderte von militanten Angriffen gegen christliche Kirchen 2003/2004. Eine der Hauptziele der JHU ist es heute, ein Anti-Konvertierungs-Gesetz zu verabschieden, das einen „unethischen“ Wechsel der Religionszugehörigkeit unter Strafe stellen soll. Damit sollen christliche Gruppierungen davon abgehalten werden, armen Buddhisten humanitäre Hilfe zukommen zu lassen, die diese vielleicht zum Christentum bekehren könnten.

Buddhistischer Gottesstaat
Ideologisch beruft sich die JHU auf eine glorreiche Vergangenheit buddhistischer Könige, betont das nationale Recht auf Vorherrschaft für die Singhalesen und möchte einen Gottesstaat nach buddhistischen Prinzipien errichten. In einem 12-Punkte-Programm fordert die JHU, dass „der srilankische Staat, wie in der Vergangenheit, in Übereinstimmung mit buddhistischen Prinzipien erbaut werden“ solle. Das „nationale Recht der singhalesischen Nation“ wird über das Recht anderer Bevölkerungsgruppen gestellt. Damit ist die JHU in diesem Punkt vergleichbar mit den Taliban in Afghanistan. Sie wollen einen antidemokratischen, theokratischen Staat, ein „Dharma Königreich“, in dem der Klerus über der Politik steht. Andere religiöse Gruppen sollen unterdrückt und diskriminiert werden.

Der buddhistische Klerus ist seit hunderten von Jahren sehr mächtig in Sri Lanka. Es war ein buddhistischer Mönch, der 1959 den ersten Premierminister Solomon Bandaranaike umbrachte. Die Nationalisten waren schon damals gegen ein föderales Sri Lanka. Es ist kein Zufall, dass auch heute große Teile des buddhistischen Klerus völlig gegen Friedenverhandlungen eingestellt sind. Ihre Macht und Privilegien basieren auf der Verankerung des Buddhismus als Staatsreligion. Große Teile des Budgets des Ministeriums „Department of Buddhist Affairs“ fliessen in die Hände der buddhistischen Klöster.

Es gibt ca. 30.000 – 40.000 buddhistische Mönche in Sri Lanka, laut Ministerium. Die Situation verschärft sich nun aber dadurch, dass die buddhistischen Mönche zum ersten Mal in der Regierungskoalition vertreten sind. Erst mit Hilfe der JHU konnte Präsident Mahinda Rajapakse im November 2005 eine Regierung bilden. Sie halten 9 Sitze in dem 225 Sitze umfassenden Parlament.

Für den totalen Krieg gegen die Rebellen
Die JHU bekommt bedeutende finanzielle und politische Unterstützung von den Gruppen in Staat, Militär und Geschäftswelt, in deren Interesse eine Fortsetzung des Krieges und ein Ausbau der singhalesischen Dominanz über Muslime und Tamilen liegt. Sie sehen den Friedensprozess mit der LTTE als Verrat an und sind völlig gegen jede Teilung der Macht mit den Rebellen.
Die JHU kämpfte an vorderster Front gegen eine Zusammenarbeit mit der LTTE zur Verteilung der Hilfsgüter nach dem Tsunami. Der Mönch und JHU-Abgeordnete Omalpe Sobhitha begann sogar ein Todesfasten vor dem Zahntempel in Candy, um das Abkommen zu stoppen.
Im Herbst 2003 führten die JHU-nahen Organisationen JSS und SU zwei Aktionen zur Provokation der LTTE durch: Erstens wurde „eine Inspektion“ von buddhistischen Ruinen im von der LTTE gehaltenen Osten, zweitens ein Marsch zu einem LTTE-Camp bei Batticaloa durchgeführt. Immer wieder fordert die JHU, dem Militär völlig freie Hand zu einer totalen Vernichtung der LTTE zu geben.

Die JHU-Möche auf einer Demo im Juni 2005 in Colombo:

3. Das Patriotic National Movement (PNM)
oder Deesha Hithaishi Jathika Viyaparaya

Als dritte Partei muss hier noch das weniger bekannte Patriotic National Movement genannt werden, eine weitere singhalesisch-nationalistische Partei, die für die sofortige Aufkündigung des Waffenstillstands ist, das singhalesisch definierte kulturelle Erbe Sri Lankas bewahren will und sich gegen westlichen Neokolonialismus ausspricht. Die PNM ist eine Tarnorganisation der JVP. 1988-1990 gab es eine terroristische Gruppe, die Deshapremi Jathika Vyaparaya (DJV) bzw. ‚Patriotic National Movement‘ die für das „Verschwindenlassen“ vieler Personen verantwortlich war. Heute ist klar, dass diese Organisation identisch mit der JVP ist, wie der frühere Führer Somanawansa 2001 zugab. Er sagt auch, die JVP sei in diesem Rahmen für 6000 Tote verantwortlich.
Die PNM forderte am 30. März 2007 wieder einmal den totalen Krieg gegen die LTTE, außerdem die Aufkündigung der norwegischen Vermittlerrolle.

4. Buddhismus als Kriegstreiberei:
Die National Bhikku Front (NBF)

Die NBF ist eine Organisation des nationalistischen buddhistischen Klerus. Sie ist ebenfalls ein Arm der JVP oder nach anderen Angaben der JHU. Sie setzt sich gegen Friedensverhandlungen ein, protestierte immer wieder gegen die norwegische Vermittlerolle im Konflikt mit den Tamilen.

November 2002: Verbrennung der norwegischen Flagge durch radikale Mönche:

Februar 2005: Demo gegen Friedensprozess:

August 2005: Fasten gegen Zusammenarbeit mit den Rebellen im Rahmen der Tsunami-Hilfe:

März 2006: Demo gegen Norwegen:

August 2006: NBF-Mönche greifen eine Friedensdemo in Colombo an:

Wie man deutlich sieht, sind die rechtsextremen buddhistischen Mönche ein echtes Problem auf Sri Lanka.