Archiv der Kategorie 'Tamilen in der Diaspora'

Endlich: Tamilische Antikriegsdemo in Berlin

Gestern, am 10. Oktober 2008 fand in Berlin eine Demonstration gegen den Krieg in Sri Lanka statt.

Etwa 2000 Personen liefen von der Weltzeituhr am Alexanderplatz über die Grunerstr., den Mühlendamm und die Fischerinsel bis zur Wallstraße. Angeblich soll die Veranstaltung vom Tamil Coordinating Comittee (TCC) aus Oberhausen im Ruhrgebiet organisiert worden sein. Prabhakaran-Bildnisse wurden aber nicht gesichtet. Auf dem Leittransparent stand:

„KRIEG OHNE ZEUGEN – NGO müssen tamilische Gebiete verlassen – Flüchtlingen droht Genozid“.

Eine Erklärung der Organisationen, welche die Demonstration unterstützten, kann auf Tamilnet nachgelesen werden.

Die Demonstration fand vor dem Hintergrund einer der größten srilankischen Militäroperationen der vergangenen Jahrzehnte statt. Die Armee rückt immer weiter in Richtung Norden vor, bis zu 200.000 dort lebende Tamilen sind deshalb auf der Flucht. Täglich werden heftige Angriffe mit Kampfflugzeugen und Militärhubschraubern geflogen. Unter den Opfern sind immer wieder Zivilisten, die es nicht rechtzeitig schafften, in ihre Bunker zu flüchten. Die Regierung glaubt, allein mit dem totalen Krieg für Frieden sorgen zu können, indem sie alle Rebellen vernichtet.

Dabei werden auch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zu Terroristen erklärt, wie General Fonseka kürzlich in einem Interview betonte. Sie müssen damit rechnen, getötet zu werden, wenn sie sich weiterhin im Norden aufhalten, so Fonseka.
Familien, in denen einige Personen zur LTTE gehören, leben nun in Angst und Schrecken. Auch Verwandte und Freunde von Tamil Tiger-Kämpferinnen und Kämpfern müssen damit rechnen, gefoltert zu werden, wenn sie in die Hände des Militärs fallen. Vielleicht sollte sich die Regierung deshalb nicht allzusehr wundern, weshalb so wenige tamilische Zivilisten vor den Bombardements in den „sicheren“ Süden flüchten, wo schon Internierungslager auf sie warten.

Kurzes Video von der Demonstration:

(Dank für die Fotos geht an Martin Ibert).

(Dank für die Fotos geht an Tamilnet ).

Tamilen in Lourdes

Lourdes ist eine christiliche Pilgerstätte, ein Wallfahrtsort im südlichen Frankreich, nahe Toulouse gelegen. Bekannt ist Lourdes für Marienerscheinungen und angebliche Wunderheilungen. Lourdes ist eigentlich ein urkatholischer Ort. Dennoch zieht er nicht nur Christen verschiedenster Couleur an: Paradoxerweise pilgern viele Tamilen jedes Jahr nach Lourdes. Das wäre an sich noch nichts besonderes, schließlich gibt es auch unter Tamilen Anhänger des katholischen Glaubens. Paradoxerweise sind es aber vor allem tamilische Hindus, die nach Lourdes zum Beten kommen. Auch Moslems, vor allem Frauen, kommen nach Lourdes, denn Maria wird auch im Koran verehrt.
Für viele Tamilen ist Lourdes ein heiliger Ort, an dem sie beten können. Sie stört es nicht, dass in der Messe von der unbefleckten Empfängnis und dem Büßen für die Sünden gesprochen wird. Jede Religion hat ihre eigenen Erscheinungsformen, die dahinter stehende Göttlichkeit ist aber dieselbe. So könnte man vielleicht diese hinduistischen Pilgerreisen zu katholischen Orten erklären. Dabei ist es unvorstellbar, das Katholiken in einen Hindu-Tempel zum Beten kommen, Juden in einer Moschee beten, Moslems in einen buddhistischen Tempel gehen. Vielleicht zeigt sich hier auch, dass der Hinduismus ungebundener ist, da weniger institutionalisiert. Die katholische Kirche geht auf die tamilischen Besucher ein und veranstaltet Messen in tamilischer Sprache. Vom 9.-10. August 2008 gibt es eine Pilgerreise von Tamilen nach Lourdes.

Links
Arme Kinder, weiße Damen,
EBERHARD OSTERMANN in: DIE ZEIT vom 31. Januar 2008

Marias Helfer
JOHANNES SCHWEIKLE in: DIE ZEIT vom 07. Februar 2008

France 24 Bericht über LTTE-Erpressungen in Paris

Info:
France 24 ist das französische Auslandsfernsehen mit Schwerpunkt Nachrichten. Es nahm am 6. Dezember 2006 den Sendebetrieb auf.
Das Programm soll die Nachrichten aus französischer Sichtweise vermitteln und orientiert sich an Vorbildern wie BBC World und DW-TV.
Um ein breites Publikum anzusprechen, wird sowohl auf englisch, französisch als auch auf arabisch gesendet (wikipedia).

Pro Asyl: Kritik an halbherzigem Abschiebestopp nach Sri Lanka

Bundesinnenminister empfiehlt Teilabschiebungsstopp nach Sri Lanka

PRO ASYL: spät und unzureichend

Mit Schreiben vom 8. Mai 2007 an die Innenministerien der Länder hat das Bundesinnenministerium endlich einen teilweisen Abschiebungsstopp nach Sri Lanka empfohlen. Das BMI bezieht sich auf die Berichte des Auswärtigen Amtes sowie Ergebnisse der Erkundungsreise eines Mitarbeiters des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge Ende April. Beide Quellen berichten über eine seit Ende letzten Jahres wesentlich verschlechterte Lage, nicht nur im Norden und Osten Sri Lankas, sondern auch in den von der Regierung kontrollierten Gebieten einschließlich Colombos.

Die jetzt vom BMI empfohlene Regelung ist unzureichend. Abschiebungen nach Sri Lanka sollen zunächst für drei Monate nur für aus dem Norden und Osten Sri Lankas stammende Tamilen ausgesetzt werden. Weiter abgeschoben werden sollen nicht nur Straftäter, sondern auch Tamilen, „bei denen eine Existenzsicherung bei Rückkehr aufgrund noch vorhandener familiärer Strukturen im Regierungsgebiet bzw. sonstige bekannte Umstände gesichert erscheint.“ Es muss also nicht geklärt sein, dass es solche familiären Strukturen noch gibt, sondern die Behauptung („erscheint gesichert“) genügt. Das ist nicht nur ein trickreich eröffnetes Scheunentor zur Fortsetzung der Abschiebungen für die Ausländerbehörden. Die Vorgabe missachtet auch die gefährlichen Realitäten Sri Lankas.

Seit längerem bereits weist das Hohe Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen darauf hin, dass es keine landesinterne Fluchtalternative in Sri Lanka gibt. Mit Verdachtsinhaftierungen muss auch in Colombo jeder rechnen, der in den Augen der Sicherheitskräfte z.B. der Nähe zur LTTE verdächtig ist, so das Auswärtige Amt. Eine richterliche Überprüfung solcher Festnahmen ist nicht gewährleistet. Tamile zu sein und nicht aus Colombo zu stammen, kann als Verdachtsmoment für eine Festnahme ausreichen. Die eindeutige Faktenlage wird von Seiten des BMI sehenden Auges ignoriert.

Die jetzige Regelung kommt spät: Seit Dezember 2006 haben sich PRO ASYL und andere Nichtregierungsorganisationen für einen sofortigen Abschiebungsstopp wegen des aufflammenden Bürgerkrieges eingesetzt. Spätestens nachdem ein drastischer ad-hoc-Lagebericht des Auswärtigen Amtes vom 30. Januar 2007 vorlag, wäre ein Abschiebungsstopp unumgänglich gewesen. Dass seitdem mehr als drei Monate verstrichen sind, ist unverantwortlich.
Die Innenministerien der Länder sind nicht gehindert, zunächst einen weitergehenden Abschiebungsstopp – ohne die genannte Ausnahmeregelung – zu verhängen. Die Innenministerkonferenz am 31. Mai / 1. Juni 2007 muss sich auf jeden Fall eingehend mit dem Thema befassen.

gez. Bernd Mesovic, Referent


(Bild: Am 03. September 2005 protestierten Tamilen vor dem Abschiebegefängnis in Bremen gegen die Abschiebung von Rilwan Haleem nach Sri Lanka).